Rund zwei Drittel der Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos und 85 Prozent derjenigen, die regelmäßig lange Strecken fahren, nutzen gelegentlich oder häufig Lademöglichkeiten entlang der Autobahn. Aus diesem Grund hat der ADAC erstmals die Ladeinfrastruktur und den Komfort an den 15 längsten Autobahnen Deutschlands überprüft. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Mehr als die Hälfte der jeweils 25 untersuchten Rastanlagen und Autohöfe erhielten eine mangelhafte oder sehr mangelhafte Bewertung. Nur 13 Standorte schnitten mit „gut“ ab, keiner erreichte die Bestnote „sehr gut“. Insgesamt erzielten Autohöfe bessere Ergebnisse als Rastanlagen.
Bewertet wurden unter anderem die Anzahl der Ladepunkte, deren Leistung, Funktionstüchtigkeit, die Bezahlmöglichkeiten und die Preistransparenz. Besonders positiv fielen Anlagen auf, die mindestens zehn Ladepunkte mit einer Leistung von jeweils 150 kW oder mehr boten und voll funktionsfähig waren. Zudem floss der gebotene Komfort – etwa Überdachung, Gastronomie und sanitäre Einrichtungen – zu einem Viertel in das Gesamturteil ein.
Am schlechtesten schnitten die Autohöfe Bremen Hemelingen an der A1 und Großweitzschen an der A14 ab, da sie überhaupt keine Lademöglichkeiten bereitstellten. Rund jede fünfte Anlage bot laut ADAC nur langsame 50-kW-Säulen, was für Langstreckenfahrten unzureichend sei. Entscheidend sei, dass jeder Ladepunkt eine Leistung von mindestens 150 kW erbringt, um Ladezeiten von rund 20 bis 30 Minuten zu ermöglichen.
Positiv bewerteten die Tester hingegen, dass 62 Prozent der Anlagen bereits über Ultraschnell-Ladesäulen mit 300 kW verfügten. Selbst bei zwei gleichzeitig ladenden Fahrzeugen konnten so noch jeweils bis zu 150 kW genutzt werden. Zwei Autohöfe – Fulda Nord an der A7 und Raubling an der A93 – boten sogar 400-kW-Ladesäulen und erreichten die Note „gut“. Alle 13 guten Bewertungen gingen an Autohöfe, Spitzenreiter war der Euro Rastpark Schweitenkirchen an der A9, gefolgt vom Aral Autohof Königslutter an der A2.
Kritisch bewertete der ADAC, dass nur ein Viertel der Anlagen über mindestens zehn Ladepunkte mit einer Leistung von 150 kW oder mehr verfügte. Auf fast einem Drittel der Standorte fanden die Tester zudem defekte Ladepunkte. Beim Thema Komfort zeigte sich ein weiteres Defizit: Keine einzige Anlage bot überdachte Ladeplätze, und nur zwei Autohöfe ermöglichten das Längsparken für Gespanne ohne Abkoppeln. Auch ungünstige Standorte der Ladesäulen – etwa abseits gelegene oder schlecht beleuchtete Plätze – führten zu Abwertungen.
Ein weiteres Problem stellte die unübersichtliche Bezahlung dar. Nur etwas mehr als die Hälfte der Anlagen erlaubte die direkte Kartenzahlung an der Säule. Auch die Preistransparenz blieb unzureichend: Zwar war der Preis pro Kilowattstunde meist sichtbar, der Endpreis jedoch nur an 44 Prozent der Standorte – ein Zustand, der laut ADAC an einer Tankstelle undenkbar wäre.
Für den weiteren Ausbau der Elektromobilität fordert der Automobilclub daher mehr leistungsfähige Ladepunkte an Autobahnen, klare Preisangaben und einfache Bezahloptionen. Auch eine bessere Ausstattung mit Überdachungen, Beleuchtung und Pausenmöglichkeiten sei erforderlich, damit das Laden künftig genauso unkompliziert und komfortabel funktioniert wie das Tanken.
Hintergrund: Viele der 50-kW-Säulen an Autobahnraststätten gehen auf eine langjährige juristische Auseinandersetzung zurück. Diese verzögerte den Ausbau von Schnellladern, da ein Auftrag der Autobahn GmbH an Tank & Rast ohne formales Vergabeverfahren vergeben wurde. Inzwischen wurden viele der betroffenen Säulen zwar auf 100 kW aufgerüstet, doch reicht das laut ADAC weiterhin nicht für den Fernverkehr aus.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von ADAC/Veröffentlicht am 04.11.2025