Gen Z und Finanzen: Vorsorge, Sparen und digitale Gewohnheiten

Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag von ING Deutschland und Visa zeigt, dass fast ein Drittel der 18- bis 30-Jährigen nicht damit rechnet, im Alter eine gesetzliche Rente zu erhalten. Damit verbunden ist auch die Furcht vor Altersarmut: Mehr als vier Fünftel sorgen sich um ihre finanzielle Sicherheit im Ruhestand. Immerhin legt gut die Hälfte der Befragten (55 Prozent) bereits Geld speziell für die Altersvorsorge zurück.

Zusätzlich zu den Befragungsergebnissen hat die ING Deutschland anonymisierte Kundendaten von rund 1,16 Millionen jungen Menschen ausgewertet. Ein Drittel verfügt über ein Wertpapierdepot, knapp die Hälfte davon spart regelmäßig per Wertpapiersparplan – im Durchschnitt rund 350 Euro monatlich. Der Löwenanteil (88 Prozent) dieser Einzahlungen fließt in börsengehandelte Indexfonds (ETFs).

Nach Einschätzung von Bincy Kochalumoottil, Leiterin Daily Banking bei der ING Deutschland, setzt sich die Gen Z frühzeitig mit finanziellen Fragen auseinander und treibt ihren Vermögensaufbau aktiv voran. Banken könnten sie dabei gezielt unterstützen und so dazu beitragen, dass junge Menschen auch in unsicheren Zeiten ein stabiles Fundament für die Zukunft schaffen. Tobias Czekalla, Deutschland-Chef von Visa, betont zudem, dass diese Generation ihr Leben ebenso wie ihre Finanzen von Beginn an digital organisiert und daher einfache, sichere und jederzeit verfügbare Lösungen für Sparen, Investieren und Bezahlen erwartet.

Die Daten belegen auch einen Rückgang der Bargeldnutzung: Der Anteil der jungen Erwachsenen, die innerhalb von drei Monaten mindestens einmal Bargeld am Automaten abheben, ist von 49 Prozent im Jahr 2024 auf 38 Prozent gesunken. Damit nutzt die Gen Z Bargeld deutlich seltener als ältere Altersgruppen.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Untersuchung zeigt zudem geschlechterspezifische Unterschiede. Junge Männer haben mit durchschnittlich 2.200 Euro monatlich mehr Einkommen zur Verfügung als Frauen mit rund 1.770 Euro. Entsprechend können sie auch mehr zurücklegen: Männer sparen im Schnitt 28 Prozent ihres Einkommens, Frauen 24 Prozent. Priorität haben bei beiden vor allem langfristige Ziele wie Notfallrücklagen (71 Prozent), Altersvorsorge (55 Prozent) und Immobilien (40 Prozent). Dagegen spielen kurzfristige Konsumwünsche wie neue Technik oder Mode eine untergeordnete Rolle. Zugleich sinkt die Zahl derjenigen, die gar nichts sparen, von zwölf Prozent im Jahr 2024 auf neun Prozent.

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Beliebte Anlageformen und Strategien

Bei den Geldanlagen bevorzugt die Gen Z sichere Produkte: Tagesgeldkonten (53 Prozent), Aktien und Fonds (51 Prozent) sowie ETFs (47 Prozent). Sicherheit (92 Prozent) steht für sie klar vor Renditechancen (79 Prozent). Auch die ING-Daten bestätigen dieses Muster: Fast die Hälfte der Depotinhaber setzt ausschließlich auf breit gestreute ETFs, häufig auf globale Standardindizes.

Selbst bei Kursschwankungen reagieren viele gelassen. So nutzten im April 2025 knapp sieben von zehn Depotkundinnen und -kunden die Auswirkungen des internationalen Zollstreits für Nachkäufe. Nur ein kleiner Teil entschied sich für Verkäufe. Dies deutet auf eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie hin, die kurzfristige Spekulationen weitgehend vermeidet.

Schulden nur in Ausnahmefällen

Beim Thema Verschuldung zeigt sich die Gen Z zurückhaltend. Kredite kommen für sie fast ausschließlich bei großen Investitionen wie einer Immobilie (86 Prozent) oder in persönlichen Not- und Krisensituationen infrage. Konsum spielt dabei kaum eine Rolle.

Kurzfristige Finanzierungsmodelle wie „Buy now, pay later“ oder Dispokredite sind wenig verbreitet. Zwölf Prozent der Befragten hatten zum Zeitpunkt der Erhebung noch offene BNPL-Beträge, nur vier Prozent überzogen ihr Girokonto. ING-Daten bestätigen diese Zurückhaltung: Lediglich 16 Prozent nutzten einen Dispokredit, Konsumentenkredite wurden von fünf Prozent aufgenommen – mit durchschnittlichen Beträgen von rund 6.000 bis 7.000 Euro.

Laut Bincy Kochalumoottil verdeutlichen die Ergebnisse, dass finanzielle Gesundheit keine Altersfrage ist. Die Gen Z gehe umsichtig mit Schulden um, setze klare Prioritäten beim Sparen und fokussiere sich auf langfristige Investments. Das sei eine solide Basis und gleichzeitig ein Auftrag an Banken, passende Angebote schon in frühen Lebensphasen bereitzustellen.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von ING Deutschland/ Veröffentlicht am 11.09.2025