Konsum zwischen Sparzwang, Belohnung und KI-Beratung

Angesichts rückläufiger Kaufkraft und wirtschaftlicher Unsicherheit prüfen Verbraucher ihre Ausgaben deutlich genauer. Um sich gelegentliche kleine Annehmlichkeiten leisten zu können, sparen sie vor allem bei notwendigen Alltagskäufen. Diese Entwicklung geht aus dem Consumer Trends Report 2026 des Capgemini Research Institute hervor. Die fünfte Ausgabe der Studie macht zudem deutlich, dass Künstliche Intelligenz Kaufentscheidungen zunehmend unterstützt. Gleichzeitig legen Konsumenten großen Wert auf Datensouveränität und transparente Prozesse. Für Marken ergibt sich daraus die Aufgabe, digitale Bequemlichkeit zu bieten, ohne auf persönliche Beratung durch Menschen zu verzichten.

Preistransparenz und eine offene Kommunikation gewinnen weiter an Bedeutung für die Glaubwürdigkeit von Marken. In Deutschland wechseln 82 Prozent der Verbraucher die Marke, wenn ein vergleichbares Produkt dauerhaft günstiger angeboten wird. Damit liegt der Wert deutlich über dem internationalen Durchschnitt von 74 Prozent. Zudem wenden sich hierzulande rund 50 Prozent von einer Marke ab, wenn Packungsgrößen oder Produktqualität reduziert werden, ohne dass dies klar erkennbar ist. International liegt dieser Anteil bei 71 Prozent. Solche verdeckten Preisanpassungen werden mehrheitlich als unfair wahrgenommen. Stattdessen wünschen sich viele Konsumenten moderate, klar nachvollziehbare Preissteigerungen.

Um ihre Ausgaben besser zu steuern, kaufen viele Verbraucher kleinere Mengen ein. In Deutschland betrifft das 41 Prozent, international 49 Prozent. Weltweit greift zudem fast die Hälfte der Befragten zu günstigeren Alternativen wie Eigenmarken, während dies in Deutschland lediglich neun Prozent angeben. Besonders bei sensiblen Produktkategorien wie Elektronik oder Babyartikeln bleibt Markenvertrauen entscheidend: 85 Prozent der deutschen Verbraucher meiden hier Eigenmarken, international sind es 77 Prozent. Um finanzielle Belastungen emotional auszugleichen, gönnen sich weltweit rund 70 Prozent bewusst kleine Belohnungen. In Deutschland ist dieses Verhalten mit 48 Prozent deutlich weniger ausgeprägt.

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Aus Sicht von Capgemini wird deutlich, dass Verbraucher einerseits durch Preissteigerungen finanziell unter Druck stehen, andererseits gezielt Konsum nutzen, um sich emotional etwas Gutes zu tun. Diese gegenläufigen Entwicklungen erforderten Angebote, die sehr gezielt auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Gleichzeitig verändere KI das Einkaufserlebnis bereits grundlegend, indem sie für viele Konsumenten als eine Art unsichtbarer Einkaufsberater fungiere. Dennoch wollten Kunden nicht vollständig auf persönliche Interaktion verzichten. Für Händler bedeute dies, technologische Möglichkeiten verantwortungsvoll einzusetzen, Transparenz zu gewährleisten und den menschlichen Faktor konsequent mitzudenken.

KI als Einkaufsberater – mit klaren Grenzen

Verbraucher nehmen KI zunehmend als umfassende Unterstützung beim Einkauf wahr. Die Technologie analysiert Vorlieben und Verhaltensmuster und gibt in Echtzeit Empfehlungen, etwa über Chatbots oder virtuelle Assistenten. Bereits 2025 nutzte in Deutschland etwa jeder sechste Verbraucher generative KI-Tools beim Shopping, international lag der Anteil bei 25 Prozent. Künftig möchten mehr als ein Viertel der deutschen Konsumenten solche Anwendungen einsetzen. Trotz des wachsenden Interesses ist die Zahlungsbereitschaft gering: Nur fünf Prozent wären hierzulande bereit, für KI-basierte Einkaufsassistenten zu zahlen, während dies weltweit 19 Prozent in Erwägung ziehen.

Ein zentraler Punkt bleibt die Kontrolle. 89 Prozent der deutschen Verbraucher möchten festlegen können, in welchem Rahmen KI in ihrem Namen agiert, etwa durch Budgetgrenzen oder definierte Produktkategorien. Zudem wächst das Vertrauen in KI, wenn Empfehlungen nachvollziehbar begründet werden. Datenschutz bleibt ein Schlüsselfaktor: Zwei Drittel der Befragten in Deutschland äußern Bedenken hinsichtlich der Nutzung persönlicher Daten durch generative KI. Eine klare Kennzeichnung von KI-generierter Werbung wird ebenfalls mehrheitlich erwartet.

Technologie und Menschlichkeit als Grundlage für Loyalität

Trotz des Wunsches nach Effizienz und personalisierten Ergebnissen bleibt der Bedarf an menschlichem Kontakt hoch. Rund die Hälfte der deutschen Verbraucher empfindet Technologie als Entlastung beim Einkauf, und 40 Prozent wünschen sich personalisierte Inhalte durch generative KI. Gleichzeitig möchten sowohl in Deutschland als auch international mehr als 70 Prozent bei komplexeren Entscheidungen nicht auf menschliche Unterstützung verzichten, etwa bei Servicefragen oder der Planung von Mahlzeiten. Langfristige Kundenbindung entsteht daher dort, wo Marken Schnelligkeit und Personalisierung mit verlässlicher, menschlicher Betreuung kombinieren.

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Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Capgemini/Veröffentlicht am 07.01.2026