Wenn Touchscreens zur Ablenkung werden

Mit dem zunehmenden Einsatz digitaler Systeme wird die Bedienung moderner Fahrzeuge immer weniger selbsterklärend. Besonders problematisch ist dies, wenn zentrale Funktionen tief in den Menüs der Infotainmentsysteme verborgen sind. Die Bedienbarkeit von Fahrzeugen ist ein fester Bestandteil der Autotests des ADAC. Eine Auswertung der Testergebnisse aus den vergangenen sieben Jahren macht deutlich, dass die Ablenkung für Autofahrer kontinuierlich zunimmt.

Während die im Jahr 2019 getesteten Fahrzeuge im Kapitel Bedienung durchschnittlich mit der Note 2,3 bewertet wurden und kein Modell schlechter als 3,2 abschnitt, zeigt sich 2025 ein klarer Qualitätsverlust. Die Durchschnittsbewertung liegt inzwischen bei 2,7 und damit nur noch im befriedigenden Bereich. Das schwächste Fahrzeug erreichte sogar lediglich die Note 4,0. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern steht im Zusammenhang mit neuen, überwiegend softwarebasierten Bedienkonzepten. Im Fokus stehen dabei große Touchscreens mit verschachtelten Menüs sowie Bedienelemente ohne fühlbares Feedback. Die Untersuchungen belegen, dass sich in Fahrzeugen mit vorwiegender Touchscreen-Steuerung die Bedienzeiten verlängern. Fahrer müssen ihre Aufmerksamkeit stärker auf das System richten, um Fehlbedienungen zu vermeiden oder gewünschte Funktionen zu finden. Dadurch steigt die Ablenkung und folglich auch das Unfallrisiko.

Als Reaktion auf diese Erkenntnisse bringt der ADAC seine Position in das europäische Sicherheitsprogramm Euro NCAP ein. Künftig soll die maximale Punktzahl nur noch an Fahrzeuge vergeben werden, bei denen bestimmte sicherheitsrelevante Funktionen über direkte physische Bedienelemente mit haptischem Feedback erreichbar sind. Dazu zählen unter anderem Blinker, Warnblinker, Hupe, Scheibenwischer und das automatische Notrufsystem eCall. Weitere Funktionen sollen zumindest mit ein oder zwei klaren Schritten in den Untermenüs zugänglich sein.

Autofahrern empfiehlt der ADAC, sich vor der ersten Fahrt oder nach Software-Updates intensiv mit der Menüstruktur ihres Fahrzeugs auseinanderzusetzen. Dies gilt insbesondere für Funktionen mit sicherheitsrelevanter Bedeutung, etwa für die Scheibenbelüftung. Bei tief verschachtelten Menüpunkten kann auch die Sprachsteuerung eine sinnvolle Unterstützung sein, sofern die gewünschte Funktion darüber zuverlässig aufgerufen werden kann.

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Gleichzeitig richtet der ADAC einen Appell an die Fahrzeughersteller, den zunehmenden Einsatz rein softwarebasierter Bedienkonzepte kritisch zu überprüfen. Nicht jede Funktion erfordert ein eigenes Bedienelement, dennoch zeigen zahlreiche Rückmeldungen von Mitgliedern, dass Touchscreen-Lösungen als weniger sicher wahrgenommen werden. Viele Nutzer bevorzugen weiterhin klassische Knöpfe und Schalter, da sie sich im Alltag bewährt haben und eine intuitive, ablenkungsarme Bedienung ermöglichen.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von ADAC/Veröffentlicht am 28.01.2026