Deutsche Supermärkte und Discounter setzen nach wie vor stark auf umweltschädliche Einweg-Verpackungen und tragen so erheblich zum Verpackungsmüll bei. Zu diesem Ergebnis kommt der vierte Verpackungscheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Untersucht wurden 48 Filialen von zwölf großen Handelsketten in den Bereichen Obst und Gemüse, Getränke, Milchprodukte sowie an Frische- und Selbstbedienungstheken.
Das Ergebnis fiel für viele Anbieter ernüchternd aus: Kaufland, Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Netto Marken-Discount, Norma und Penny erhielten erneut durchweg Rote Karten. Edeka und Rewe schnitten etwas besser ab und bekamen Gelbe Karten. Deutlich positiver fiel das Urteil bei Alnatura, Denns und Bio Company aus – alle drei Biomarktketten erreichten ausschließlich Grüne Karten und zeigten damit, dass ressourcenschonende Konzepte wie Mehrwegflaschen für Öl, Essig oder Wein praktikabel umsetzbar sind.
Die DUH stellte fest, dass Supermärkte und Discounter den verpackungsarmen Einkauf weiterhin erschweren. Ohne verbindliche gesetzliche Vorgaben werde sich daran kaum etwas ändern, so die Organisation. Die EU habe mit neuen Regelungen zwar einen klaren Kurs eingeschlagen: weniger Verpackungsmüll, Einschränkungen beim Verkauf von in Plastik verpacktem Obst und Gemüse und ein verpflichtendes Mehrwegangebot für Getränke ab 2030. Kritisch betrachtet wurde allerdings, dass die deutsche Bundesregierung diese Vorgaben in Brüssel verzögern wolle, anstatt sie zügig umzusetzen. Besonders die Discounter Aldi und Lidl stünden unter Druck, da sie bislang keinerlei Mehrweg-Getränke anbieten. Gefordert wird eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf unökologische Einwegverpackungen sowie eine Ausweitung der Mehrwegquoten auf Milch, Wein und weitere Produkte wie Öl, Essig oder Konserven.
Die Auswertung zeigte zudem, dass konventionelle Supermärkte Obst und Gemüse noch immer überwiegend vorverpackt verkaufen. In den getesteten Aldi-Filialen lag der Anteil sogar bei 76 Prozent. Auch beim Getränkeangebot blieben die Discountern zurück: Während die gesetzliche Mehrwegquote 70 Prozent vorgibt, kamen klassische Supermärkte und Discounter lediglich auf 32 Prozent. Ab 2030 verpflichtet die EU-Verpackungsverordnung sie, endlich Mehrwegflaschen ins Sortiment aufzunehmen.
Eine Neuheit des Verpackungschecks war die Prüfung, ob Mehrwegflaschen für Wein, Öl und Essig verfügbar sind. Hier konnten lediglich die Biomärkte punkten. Für Frischmilch und Joghurt existieren zwar bei Edeka, Rewe, Kaufland und einigen Biomärkten Mehrwegoptionen, deren Verfügbarkeit bleibt jedoch gering. Bei Aldi, Lidl, Norma und Penny sind diese Produkte ausschließlich im Einweg erhältlich.
Die DUH verwies darauf, dass Biomärkte erneut bewiesen hätten, wie verpackungsarm Einkaufen möglich sei. So würden bei Alnatura mehr als 90 Prozent und bei Denns rund 85 Prozent des Obst- und Gemüsesortiments unverpackt angeboten. Auch Mehrwegbecher oder Abfüllstationen für trockene Lebensmittel seien dort längst etabliert. Angesichts der EU-Verordnung, die große Händler ab 2030 verpflichtet, mindestens zehn Prozent ihrer Verkaufsfläche für Abfüllstationen bereitzustellen, müssten auch die konventionellen Ketten nachziehen. Das gute Abschneiden der Biomärkte zeige, dass Abfallvermeidung und Klimaschutz im Handel nicht nur theoretisch möglich, sondern praktisch längst Realität sind.
Der vierte DUH-Verpackungscheck wurde zwischen Januar und April 2025 durchgeführt und umfasste Filialen von Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Penny, Netto Marken-Discount, Norma, Rewe, Edeka, Kaufland sowie die Biomarktketten Alnatura, Denns und Bio Company in Nord-, Ost- und Süddeutschland. Zum ersten Mal prüfte die Organisation auch, ob Mehrwegflaschen für Wein, Pflanzendrinks sowie Speiseöl und Essig angeboten werden. Die Ergebnisse wurden nach Produktkategorien in Rot, Gelb und Grün bewertet und zu einer Gesamtwertung zusammengeführt.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsche Umwelthilfe e.V./ Veröffentlicht am 10.09.2025