Immer mehr Familien in Deutschland blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft und erwarten von der Politik entschlossenere Schritte zur Bekämpfung von Kinderarmut. Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von Save the Children zeigt: Rund drei Viertel (76 Prozent) der befragten Eltern mit minderjährigen Kindern halten die aktuellen Pläne der Bundesregierung für unzureichend.
Laut Eric Großhaus, Experte für Kinderarmut bei Save the Children, sei das Vertrauen in die bisherigen Strategien gering. Er betonte, dass die finanziellen Belastungen in den Familien zunähmen und Kinderarmut nach wie vor auf hohem Niveau stagniere. Aus seiner Sicht mangele es an einem umfassenden familienpolitischen Konzept. Viele Maßnahmen blieben vage oder unvollständig, was dringend Korrekturen erforderlich mache.
Auch die Stimmung der Eltern hat sich deutlich eingetrübt. Ein Viertel der Befragten rechnet damit, im kommenden Jahr die Grundbedürfnisse ihrer Familie – etwa Heizung, Wohnung, Kleidung und Nahrung – nicht mehr ausreichend abdecken zu können. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als noch vor der Bundestagswahl. Besonders betroffen sind Haushalte mit einem Einkommen unter 3.000 Euro netto: Dort äußern 57 Prozent diese Sorge, ein Anstieg um 21 Prozentpunkte seit Jahresbeginn.
Knapp die Hälfte der Familien in dieser Einkommensgruppe kann sich kaum oder gar keine Ausgaben für Freizeit, Urlaub oder Hobbys der Kinder leisten. Bei Alleinerziehenden sind es ein Drittel. Etwa jedes fünfte Kind aus diesen Familien reagiert laut Umfrage mit psychischer Belastung auf die finanzielle Lage.
Prof. Dr. Julian Schmitz von der Universität Leipzig ordnete die Ergebnisse ein. Er erklärte, dass finanzielle Engpässe für Eltern wie Kinder eine erhebliche psychische Belastung darstellten. Studien belegten, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien häufiger unter psychischen Erkrankungen litten und gleichzeitig schlechtere Unterstützungsmöglichkeiten fänden. Die Folgen seien nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Gesellschaft langfristig kostspielig. Daher sei es eine zentrale politische Aufgabe, Kinderarmut entschieden zu bekämpfen.
Großhaus unterstrich zudem, dass Familien und Kinder ein Recht auf Unterstützung hätten und nicht als Bittsteller betrachtet werden dürften. Neben besseren Arbeitsmarktbedingungen seien Bildungs- und Teilhabeangebote, unbürokratische Sozialleistungen sowie ausreichende Regelsätze in der Grundsicherung notwendig. Es brauche ein breites Maßnahmenpaket, um die Lebenssituation von Kindern zu verbessern.
Schon im Januar hatten 88 Prozent der Eltern angegeben, dass Kinderarmut zu den dringendsten Problemen gehört, die die Bundesregierung anpacken müsse. Die Erwartungen bleiben hoch: Fast 90 Prozent halten Investitionen in Bildung für sehr wichtig, zwei Drittel wünschen sich den Ausbau der Kinderbetreuung. Ebenso fordern viele Eltern kostenfreie oder günstige Freizeitmöglichkeiten, weniger Bürokratie bei Familienleistungen und stärkere finanzielle Unterstützung.
Forderungen von Save the Children:
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Ein zugängliches Sozialsystem und eine Neuermittlung des kindlichen Existenzminimums. Die Kindergrundsicherung bleibt zentrales Ziel.
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Mehr politische Ambition im Kampf gegen Kinderarmut, etwa durch die Stärkung des Nationalen Aktionsplans „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“. Notwendig seien Investitionen in Bildung, Wohnraum, soziale Infrastruktur und Gesundheit.
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Verbesserte Unterstützung für die mentale Gesundheit von Kindern. Geplant ist eine bundesweite Strategie, die vor allem armutsbetroffene Kinder erreicht. Dazu zählen Angebote wie Schulsozialarbeit, Mental-Health-Coaches sowie ein Abbau des Mangels an Therapieplätzen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Save the Children Deutschland e.V./ Veröffentlicht am 02.09.2025