Heilmittel-Report 2026: Ausgaben steigen weiter, Qualität bleibt oft unklar

Die Ausgaben für Heilmittel steigen seit Jahren deutlich, während belastbare Informationen zur Qualität der Versorgung weiterhin fehlen. Zu diesem Ergebnis kommt der Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Besonders kritisch bewertet der Report die seit 2024 mögliche Blankoverordnung in Teilen der Ergo- und Physiotherapie. Sie hat bei bestimmten Diagnosen zu deutlich mehr Behandlungen und höheren Kosten geführt, ohne dass bislang klar ist, ob Patientinnen und Patienten dadurch tatsächlich besser versorgt werden.

Im Jahr 2024 gaben die gesetzlichen Krankenkassen laut Report knapp 13,3 Milliarden Euro für Heilmitteltherapien aus. Damit haben sich die Ausgaben innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Ende 2025 lagen die GKV-Ausgaben bereits bei 14,7 Milliarden Euro, was einem weiteren Anstieg um 10,4 Prozent entspricht. Auch im ersten Quartal 2026 setzte sich dieser Trend fort. Die AOK verzeichnete hier ein Plus von 8,7 Prozent. Damit gehört der Heilmittelbereich im Vergleich zu anderen Leistungsbereichen weiterhin zu den besonders dynamischen Kostenfeldern.

Als Ursachen nennt der Report unter anderem die bundesweite Angleichung des Vergütungsniveaus im Jahr 2019 sowie die spätere Entkopplung der Vergütung von der Grundlohnsumme. Zuletzt wirkte sich vor allem die Einführung der Blankoverordnung kostensteigernd aus. Sie erlaubt es Therapeutinnen und Therapeuten bei bestimmten Diagnosen, nach ärztlicher Feststellung selbst über Art, Häufigkeit und Umfang der Behandlung zu entscheiden.

Eine genauere Auswertung der Blankoverordnungen in der Physiotherapie zeigt, dass ihr Anteil zwar noch vergleichsweise gering ist, die Kosten pro Verordnung aber deutlich höher liegen. Im vergangenen Jahr machten Blankoverordnungen 2,4 Prozent aller Physiotherapie-Verordnungen aus, verursachten aber bereits 4,5 Prozent des Umsatzes. Im vierten Quartal 2025 war bei Schulterbeschwerden bereits jede zweite Verordnung eine Blankoverordnung. Im Durchschnitt kostete sie 714 Euro, während eine ärztliche Regelverordnung nur 214 Euro erreichte. Der Unterschied erklärt sich vor allem durch längere Behandlungsdauern und höhere Behandlungsfrequenzen.

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WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder erklärte, dass mehr Verantwortung für Therapeutinnen und Therapeuten grundsätzlich sinnvoll sei. Auch AOK-Chefin Carola Reimann betonte, dieser Weg sei richtig. Gleichzeitig müsse aber sichergestellt werden, dass mit den verfügbaren Ressourcen verantwortungsvoll umgegangen werde. Gerade die Arbeitszeit von Therapeutinnen und Therapeuten sei wertvoll. Die ersten Daten zu den Blankoverordnungen zeigten jedoch, dass das bislang noch nicht optimal gelinge. Eine Ausweitung auf weitere Diagnosen sei aus ihrer Sicht erst vertretbar, wenn gesicherte Erkenntnisse zu besseren Behandlungsergebnissen, weniger Chronifizierungen oder messbaren Effizienzgewinnen vorliegen.

Den größten Anteil an den Heilmittelkosten hat weiterhin die Physiotherapie. Im Jahr 2024 entfielen fast 70 Prozent des Umsatzes der gesetzlichen Krankenversicherung auf diesen Bereich. Auch bei der Zahl der Verordnungen dominiert die Physiotherapie deutlich. Besonders relevant ist sie für ältere Versicherte. Bei Kindern bis 14 Jahren spielen dagegen vor allem Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapien sowie Ergotherapie eine wichtige Rolle.

Zum Kostenanstieg trägt nach Einschätzung des Reports auch die Ausweitung langfristiger Heilmitteltherapien bei. Seit ihrer Einführung im Jahr 2017 hat sich die Zahl der Verordnungen für langfristigen Heilmittelbedarf bis 2025 fast verfünffacht. Auch der besondere Versorgungsbedarf für Menschen mit schweren oder langwierigen Erkrankungen ist stark gestiegen. Zusammengenommen summierten sich die Kosten für diese Verordnungsformen 2025 auf 2,6 Milliarden Euro. Damit entfiel die Hälfte der AOK-Heilmittelkosten auf diesen Bereich.

Neben der Ausgabenentwicklung befasst sich der Report ausführlich mit der Frage, wie sich die Qualität der Versorgung verbessern lässt. Ein zentraler Faktor ist aus Sicht der beteiligten Fachleute die Ausbildung der Therapeutinnen und Therapeuten. Laut WIdO ist Deutschland derzeit das einzige Land in Europa, in dem für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten weiterhin eine Berufsausbildung als Mindestqualifikation genügt. In den meisten anderen europäischen Ländern ist mindestens ein Bachelorabschluss erforderlich. Der Report sieht in einer stärkeren Akademisierung eine wichtige Voraussetzung für mehr evidenzbasierte Therapieentscheidungen, bessere interprofessionelle Zusammenarbeit und den Aufbau eigener Forschungsstrukturen im Heilmittelbereich.

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Professor Christian Kopkow von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg kritisiert, dass der politische Wille für einen solchen Transformationsprozess bislang fehle. Nach seiner Auffassung ist genau das jedoch notwendig, um die Heilmittelversorgung langfristig zukunftsfest auszurichten. Internationale Erfahrungen zeigten, dass eine stärkere Akademisierung die wissenschaftliche Grundlage der Versorgung verbessern könne.

Auch die interprofessionelle Zusammenarbeit wird im Report als Zukunftsmodell beschrieben. Voraussetzung dafür sei, dass gemeinsame Ausbildungsanteile verschiedener Gesundheitsberufe verbindlich und dauerhaft verankert werden. AOK-Vorständin Reimann fordert deshalb, Heilmittelerbringer bei der Entwicklung eines neuen Primärversorgungssystems von Anfang an mitzudenken. In einer besser koordinierten ambulanten Versorgung könnten sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Qualität zu steigern und personelle Ressourcen effizienter zu nutzen.

Ein weiteres Instrument zur Qualitätsverbesserung sind Leitlinien. Sie sollen dabei helfen, Versorgung evidenzbasiert und angemessen zu gestalten. Zwar beteiligen sich inzwischen mehrere Berufsverbände und wissenschaftliche Fachgesellschaften aus dem Heilmittelbereich an ihrer Entwicklung. In der Praxis ist ihre Bekanntheit und Anwendung aber noch begrenzt. So kannten in einer bundesweiten Befragung nur rund 30 Prozent der teilnehmenden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten die Nationale Versorgungsleitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz. Als Hindernisse gelten unter anderem Zweifel an der Praxistauglichkeit, Konflikte mit eigener Erfahrung, fehlende Unterstützung im Arbeitsumfeld, Zeitmangel und fehlende Vergütungsanreize.

Der Heilmittel-Report sieht außerdem Potenzial in der Nutzung von Routinedaten der Krankenkassen zur Qualitätsmessung. Ein Beispiel ist das Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung von AOK und aQua-Institut. Dort wird unter anderem ausgewertet, wie häufig Patientinnen und Patienten mit anhaltenden Rückenschmerzen und längerer Arbeitsunfähigkeit entsprechend der Leitlinie Physiotherapie erhalten. Laut den aktuellen Daten ist das nur bei knapp der Hälfte der betroffenen AOK-Versicherten der Fall. Die Ergebnisse werden an beteiligte Arztpraxen zurückgespiegelt, um Transparenz zu schaffen und Verbesserungen anzustoßen.

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Der Heilmittel-Report 2026 macht damit deutlich: Die Ausgaben steigen stark, doch mehr Geld allein bedeutet noch keine bessere Versorgung. Entscheidend wird sein, Qualität künftig systematischer zu messen, Ausbildung und Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und neue Versorgungsformen nicht nur an ihrer Flexibilität, sondern auch an ihrem Nutzen für die Patientinnen und Patienten zu messen.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von AOK-Bundesverband/Veröffentlicht am 09.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.